Kommunen setzen auf Genossenschaften
1. Internationaler Fachkongress „Kommunale Kooperation“ in Gießen
Genossenschaften kombinieren die Vorteile des öffentlichen und privaten Sektors: erster internationaler Fachkongress zeigt Beispiele der Zusammenarbeit von Bürgern, Wirtschaft und Kommunen. Deutschlandweit wurden 14 kooperative Projekte mit dem GenoPortalAWARD ausgezeichnet.

Die ersten 3 Preisträger des GenoPortal-Awards (Foto: wjk)
Der 1. Internationale Fachkongress „Kommunale Kooperation“ in Gießen stand heute unter dem Motto „Kooperative Ökonomie – Es geht nur gemeinsam.“ 300 Gäste, namhafte Referenten und Diskussionsteilnehmer sowie 80 Bürgermeister aus ganz Deutschland thematisierten die Möglichkeiten, kommunale Dienstleistungen und Infrastruktur durch ein breites Bündnis von Bürgern, örtlicher Wirtschaft und Kommunen interessengerecht zu gestalten. Besonders vor dem Hintergrund massiver struktureller Probleme in den Kommunalfinanzen stehen öffentliche Einrichtungen zunehmend auf dem Prüfstand – schlimmstenfalls vor dem Aus. Jedoch können genossenschaftliche Lösungen zu einer nachhaltigen Verbesserung der Lebensqualität in den Regionen und zur Sicherung der kommunalen Daseinsvorsorge beitragen.
Der Kongress zeigte Beispiele bundesweiter (Neu-)Gründungen von Genossenschaften als Betreiber von Wasser- oder Energieversorgung, von Ärztedienstleistungen und Krankenhäusern, im Bereich Stadtmarketing, bei Schul- und Bildungsträgern oder auch im Kultur- und Sozialwesen.
Martin Bonow, Vorstand des Genossenschaftsverbandes e.V.: „Genossenschaften liegen nicht nur im Trend, auch die Gründungen nehmen stetig zu: So konnten wir in den letzten zwei Jahren in den 13 unserem Verband angeschlossenen Bundesländern über 150 genossenschaftliche Neugründungen verzeichnen.“
Der Schirmherr des Kongresses, Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, unterstrich in einer Videobotschaft die Bedeutung der kooperativen Organisationsform von Genossenschaften sowohl bei der interkommunalen Kooperation wie auch im Bereich Public Private Partnership. Der Staatssekretär bezweifelte, ob eine weitere Aufgabenreduzierung kommunaler Dienstleistungen über die derzeit erreichte Schmerzgrenze hinaus noch möglich ist, denn die Erfüllung öffentlicher Aufgaben dient in besonderer Weise dem notwendigen sozialen Zusammenhalt in den Kommunen.
Ähnlich sieht es auch Dr. Günther Bachmann, Generalsekretär des Rates für Nachhaltige Entwicklung: „Die Politik der Partizipation leidet heute unter einem Dosenbier-Image. Das ist schlecht. Sie davon zu befreien, geht nur mit einem Strategiewechsel.“
Der Präsident der Fachhochschule Gießen-Friedberg, Prof. Dr. Günther Grabatin, verdeutlichte die Vorteile kooperativen Handelns aus universitärer Sicht: „Hochschulen, und besonders praxisorientierte Hochschulen wie die FH Gießen-Friedberg, sind ideale Kooperationspartner für Kommunen und Landkreise. Wenn es um originäre Energieversorgung, Stadt- und Verkehrsplanung oder Umweltanalysen geht, so haben wir die wissenschaftliche Expertise. Und wir wünschen uns auf diesen Gebieten noch viel mehr gemeinsame Projekte – zum Nutzen der Kommunen und der Wissenschaftler und Studenten.“
Und Prof. Dr. Gunnar Schwarting, Geschäftsführer des Städtetages Rheinland-Pfalz, verwies auf die erheblichen Effizienz- und Qualitätspotenziale: „Lang gehegte Vorbehalte gegen Kooperationslösungen sind angesichts der Herausforderungen an das Verwaltungshandeln in einer komplexer werdenden Umwelt bei zudem knappen Kassen nicht mehr zeitgemäß!“
Für vorbildliche kooperative Projekt-Ideen aus ganz Deutschland und deren Umsetzung wurden 14 Initiativen mit dem diesjährigen GenoPortalAward 2010 ausgezeichnet. Prof. Dr. Wolfgang George vom genossenschaftlichen Gründungs- und Kompetenzzentrum GenoPortal würdigte die bundesweiten Gewinner für ihre Aktivitäten und ihr Engagement. Neben dem GenoPortalAward bekamen die drei bestplatzierten Preisträger auch eine finanzielle Auszeichnung: 1. Preis (2.000 Euro) für das Bürgerprojekt Erhalt und Entwicklung ihres Dorfes Reese (Wedemark/bei Hannover), 2. Preis(1.500 Euro) für die Gründung einer kommunalen IT UNION (Magdeburg) und 3. Preis (1.000 Euro) für den Aufbau einer Bürgergenossenschaft zum Erhalt des Hallenbades Mücke in Hessen.
Der Kongress verdeutlichte, dass gerade die in der sogenannten „kooperativen Ökonomie“ liegende Kraft geeignet ist, die Wertschöpfung bürger- und wirtschaftsnah sowie regional verfügbar zu machen. In Form einer Genossenschaft bietet sie den Beteiligten eine größtmögliche Mitwirkung an den zu gestaltenden Prozessen.
Im Rahmen des Kongresses wurde auch der vierte Band „Regionales Zukunftsmanagement: Kommunale Kooperation“ vorgestellt. Zahlreiche der 50 Fachautoren referierten während des Kongresses zu den Themen Erhalt der Gesundheits- und Pflegeversorgung, Schulen und Kindergärten, Entsorgung und Versorgung, Sozial- und Kulturgenossenschaften und den Möglichkeiten interkommunaler Zu-sammenarbeit.
Der Kongress wurde von der GENOSSENSCHAFTSSTIFTUNG zur Förderung von Kooperationen finanziell und ideell unterstützt und begleitet.
Pressemitteilung: Genossenschaftsverband


