Es geht nicht um die Immobilien, sondern um die Menschen die in diesen leben

von Wilfried J. Klein • 26. Januar 2010 • gespeichert unter: Twitter, Veranstaltungen

Gemeinsames Wirtschaften führt zu gegenseitiger Verantwortung - Bürger-Round Table im Langgönser Bürgerhaus zum Thema Ortskernbelebung und Stadtkernentwicklung

Am 25.1.2010 wurde der 3. Bürger Roundtable der Initiative “Kooperatives Mittelhessen” im Bürgerhaus Langgöns durchgeführt. Wie können örtliche Dorfkerne erhalten werden und was muss hierfür bedacht und zusammengebracht werden?

So lautete die anspruchsvolle abendliche Fragestellung, um deren Beantwortung sich nicht nur die 4 eingeladenen Podiumsgäste, sondern auch die anwesenden Gäste bemühten. Ohne das Fazit vorwegzunehmen: es werden viele kluge Köpfe und fleißige Hände benötigt, um den problematischen Entwicklungen entgegenzutreten.

Nicht nur in Langgöns — auch hierin waren sich die Anwesenden einig - gibt es insbesondere in den verkehrsintensiven Hauptstraßenbereichen der alten Ortskerne Probleme.

Einzelne Häuser und Grundstück drohten zu verfallen, der in aller Regel bereits vollzogene Auszug der eigentlich vorgesehenen Nachfolgegeneration bzw. auch die auf den landwirtschaftlichen Betrieb zugeschnittenen Immobilien führen dazu, dass innerörtliche Anwesen nicht immer übergeben und damit dauerhaft in ihrem Bestand erhalten werden könnten.

Bürgermeister Röhrig beschrieb beispielhaft an 2 Grund- bzw. Immobilienflächen das bestehende Problem. Er verdeutlichte, dass nur eine ganzheitliche, die verschiedenen sozialen, rechtlichen und auch wirtschaftlichen Risiken und Chancen berücksichtigende Planung zum gewünschten Erfolg führen könnte. Und auch wenn eine umsichtige Langfristplanung vorgenommen wird sei das Thema zu gewichtig und finanziell zu anspruchsvoll, als dass es allein von der Gemeinde gelöst werden könnte.

Nicht nur an dieser Stelle hakte der anwesende Präsident der Handwerkskammer Wiesbaden Klaus Repp ein: “Es müssen konkrete Ziele definiert werden und es gilt Vertrauensverhältnisse zu allen Beteiligten zu schaffen.” Gerade bei solch einem integrierenden Ansatz würden sich gute Chancen für junge Handwerker ergeben ihre unterschiedlichen Gewerke einzubringen. Ebenso wie den eigentlichen Immobilienbesitzern müsste auch diesen eine berufliche und Lebensperspektive vor Ort angeboten werden. Die Handwerkskammern setzten sich auch weiterhin mit erheblichem Aufwand für Existenzgründungen ein, Gründungen die in einem Umfeld örtlicher Erneuerung und Vitalisierung einen guten Rahmen finden könnten.

Nicht nur die Supermärkte und andere Einzelhandelsgeschäfte am Rande der Gemeinden sorgten für eine Gefährdung der noch z.T. bestehenden innerörtlichen Wirtschaftskreisläufe, auch die hinreichend beschriebene demographische Entwicklung mit immer mehr alten Menschen gerade auch in den innerörtlichen Hauptstraßen müsse zugunsten zukunftsfähiger Lösungen überwunden werden. Lösungen, die sowohl eine Verwertung der relevanten Immobilen aber eben auch eine Unterstützung der in diesen lebenden Menschen ermöglichten. So ist natürlich gerade auch in den Dörfern ein generationenübergreifendes Wohnen und Leben möglich. Alte Traditionen müssten zeitgemäß angepasst werden.

Dr. Mathias Höher sieht insbesondere dann eine Chance, wenn von einer umsichtigen Standortanalyse ausgehend, diejenigen mit in die Zweckbestimmung, Planung und Gestaltung der Fläche geholt würden, die dann auf dieser leben bzw. arbeiten. Das notwendige, kreative Wertschöpfungs- und Motivationspotential sei nur auf diese Weise zu bergen und dauerhaft zu binden. Klar war für Höher auch, dass von bereits bestehenden, als gelungen zu bezeichnenden Quartiers- oder Ortsentwicklungen gelernt werden sollte. Obwohl es schwer ist, Mechanismen und Rahmenbedingungen die gegen das Leben und Wohnen in den Gemeindekernen aufzuhalten, müsse dennoch gemeinsam nach Gestaltungsalternativen gesucht werden.

Das Rechts- Wirtschafts- und Sozialformat der Genossenschaft kann nun nicht als das alleinige Heilmittel der Gemeinden verstanden werden, dennoch war Bernhard Brauner vom Genossenschaftsverband dahingehend überzeugt, dass perspektivisch eine Bürgergenossenschaft einen wirkungsvollen Schritt in der beschriebenen Gemengelage darstellen könnte. Ein Verein oder eine Stiftung schieden aus, da man unternehmerisch handeln wolle. Da es gelte möglichst weite Teile der Bürgerschaft einzubinden käme eigentlich nur die Genossenschaft in Frage.

Auch der Moderator des Abends Prof. Wolfgang George betonte, dass es nur in einer aktiven auf breiter Basis stehenden wirtschaftlichen Einbindungsfigur möglich sei der Entwicklung einen Einhalt zu gebieten.  Insbesondere den jungen und auch den finanziell schwächeren Familien müssten neue Möglichkeiten eröffnet werden. Die ausgewiesenen innerörtlichen Flächen müssten nachhaltig bewirtschaftet und belebt werden und hierzu sei eine auf Jahrzehnte ausgerichtete Strategie mit den verschiedenen Partnern aus der Wirtschaft, den Banken, Bürgerschaft und der öffentlichen Hand notwendig. Die kommunalen Kassen alleine könnten das Ziel einer lebenswerten dörflichen und kleingemeindlichen Lebenswelt allein nicht stemmen. Partizipation — auch finanzielle — sei das Zauberwort, die sowohl Teilhabe aber eben auch Verpflichtung bedeute und dies sowohl auf  Seite der Bürger als auch der Gemeinde.

In der Aussprache mit den Gästen — darunter auch einige Bürgermeister — wurde durch Bürgermeister Röhrig — ein Anschlussgespräch im Frühjahr in Aussicht gestellt. Ein Gespräch, in welchem dann die weitere Vorgehensweise ausgearbeitet werden soll.

Video-Beitrag: Charly Weller Mittelhessen-TV

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