Regionale Wertschöpfung als Ziel anvisieren und erreichen
Auch Münzenberg will mit den Bürgern einen Teil der Energieversorgung sichern - Sicherstellung der Lebensqualität in der Kommune - Mix möglicher Energieträger und Verwertungssysteme identifizieren - Energieeinsparen sollte zur Pflicht werden - Wasserkraft an der Wetter reaktivieren
Ein Kreis von 40 Bürgern und Kommunalpolitikern der Gemeinde Münzenberg hatte sich am 28.6.2010 im Bürgerhaus Gambach zum 8. Bürger-Roundtable des Kooperativen Mittelhessens eingefunden. Eingeladen hatte Bürgermeister Zeiss zum Thema „Regenerative Energieversorgung, Chance auch für Münzenberg?“ Um das Thema zu bearbeiten hatte der Moderator des Abends Wolfgang George einen Kreis qualifizierter Podiumsgäste gewonnen.

Hochkarätiges Podium in Münzenberg-Gambach (Foto: wjk)
So berichtete der Prof. Dr. U. Theilen von der Fachhochschule Gießen-Friedberg über welch hervorragende technologische Lösungen man zwischenzeitlich verfüge, die sowohl eine dezentrale Steuerung als auch eine interkommunale Zusammenarbeit ermöglichten. Es sei klug, so Theilen „immer einen Mix möglicher Energieträger und Verwertungssysteme zu identifizieren. Inzwischen kann und sollte sowohl die Wärme des Abwassers als auch dessen biologisch-chemische Masse genutzt werden.“
Bernhard Brauner vom Genossenschaftsverband betonte die Gründungsaktivitäten des Verbandes im Bereich von Energiegenossenschaften. Dieses Rechtsformat erwiese sich immer wieder als das am besten geeignete um engagierte Bürger, regionale Handwerker oder Lieferanten – von z.B. Biomasse – und die Kommune in einer Wirtschaftsgemeinschaft zu binden. Natürlich würde es sich um eine langfristige Zusammenarbeit handeln, Vertrauen in die gegenseitige Ernsthaftigkeit sei Voraussetzung.
Diesem Argumentationsraum nutze auch Hans-Jochen Henkel, Vorstand der Bioenergiegemeinde Oberrosphe. Er berichtet von den erfreulichen sozialen Auswirkungen die von der gemeinsamen Arbeit entlang eines lohnenden Zieles für jung und alt ausgingen. Auch Henkel unterstrich die Notwendigkeit sich nicht vorschnell auf nur eine Handlungsoption einzustellen sondern die vielfältigen Chancen der Energiegewinnung und der Effizienzerhöhung in Ruhe zu prüfen und dann aber auch tatsächlich zu nutzen. Das durch die Bürgerschaft in Oberrosphe gebaute Fernwärmeheizkraftwerk sei in seiner Leistungsstäke so gewählt, dass das Energieeinsparen zur Pflicht wird, wenn immer mehr Anschlüsse gelegt würden. Ein nicht unbeabsichtigter Effekt.
Uwe Kühn Diplomphysiker aus Buseck bei Gießen betonte, dass es wichtig sei nicht auf die anderen – egal ob nur schwer erreichbare Bürger oder Kommunalverantwortliche — zu warten, sondern man müsse beginnen. Die Chancen stünden gut und auch die Rückführung des EEG brauchten unternehmerisch handelnde Genossenschaften nicht zu fürchten. Münzenberg sei wegen dessen ländlichen Lage ganz sicher gut geeignet tätig zu werden. Die gerade gegründete Sonnenland eG – dessen Vorstand Kühn ist – hätte bereits in der Gründungsversammlung 70 beitretende Personen aufzuweisen. Natürlich wünsche man sich Planungssicherheit – auch die der Einnahmen bzw. der Investitionen – allerdings dürfe man gegenüber den neuen Energieformen keine Erwartungen dahingehend pflegen, dass hier kein kaufmännischer Sachverstand notwendig wäre.
Der auch im Podium anwesende Vorstand der Butzbacher Volksbank Krause betonte die Chancen der regionalen Wertschöpfung, die sich aus den regenerativen Energien ergeben. Natürlich habe man als Bank von einer eher zurückhaltend-prüfenden Rolle ausgehend die Befassung mit dem Thema begonnen. Zugleich aber bereits zu einem frühen Zeitpunkt in den Betrieb einer eigenen PV-Anlage investiert. Zwischenzeitlich sei man so weit, das Potential dieses Zukunftsmarktes zu kennen und um die verschiedenen Möglichkeiten wisse wie dieses zu bergen ist. Dabei sei die Einbeziehung möglichst großer Teile der Bürgerschaft für die VB Butzbach selbstverständlich. Das genossenschaftliche Handlungsformat sei hervorragend geeignet nicht nur die Menschen sondern auch einen Teil des Geldes und dessen Rendite in der Region zu halten.
Bürgermeister Zeiss betonte das Münzenberg sich in einer guten Ausgangsposition befinden würde. Man habe auch bestehenden Projekten und Projektversuchen gelernt. Es sei auch Ziel Münzenbergs im Bereich der regenerativen Energien und der damit verbundenen Sicherstellung der Lebensqualität der Bürger tätig zu werden. Selbstverständlich könne man nicht in die Rolle des Alleinunternehmers treten aber gemeinsam mit den Bürgern, Landwirten und anderen Gewerbetreibenden könnte eine Allianz die gewünschten Ziele erreichen. Ein weiteres Treffen ist im Herbst geplant, die Bürger werden frühzeitig informiert werden.















