In Hungen auf dem richtigen Weg
Mit Projekt- genossenschaften regionale Energien schnell und zuverlässig erschließen - Bürgerengagement für ein zukunftsfähiges Hungen - Projektgetriebener verbindlicher Vorgehensplan soll ausgearbeitet werden
Einmal mehr stand der am 29. Juni in der Stadthalle Hungen durchgeführte 9. Bürger-Roundtable des Kooperativen Mittelhessens unter dem Thema „Regionale Energieversorgung - Chancen für Bürger, Unternehmen und Kommune“. Es ist offensichtlich, dass rund um das Thema „Regenerative Energien“ für zahlreiche Bürgermeister die auch praktische Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit den Bürgern erkannt wird.
In einem Kreis von ca. 40 anwesenden Gästen aus Politik und Bürgerschaft wurden die Chancen des Ausbaus neuer Energieversorgungsmöglichkeiten in und um Hungen unter der Moderation von Bürgermeister Weber und Prof. George erörtert. Im Zentrum stand dabei die Durchführung eines solchen Vorhabens in dem Format der genossenschaftlichen Kooperation.
Der in der OVAG für den Bereich Regenerativer Energien zuständige Mitarbeiter Dr. Reichel beschrieb den bisher gegangenen Weg seiner Organisation – mit deren verbindlichen Rückbindung im regionalen Raum – hin zu den regenerativen Energien. Seine Organisation habe einen verantwortlichen Auftrag übernommen und eine stärkere Einbeziehung von Bürgern bzw. auch kommunalen Akteuren sei nicht nur zeitgemäß für eine Bürgergesellschaft, sondern passe zu den Leitzielen der OVAG.
Dass die dezentral erschlossenen, regenerativen Energien eine einzigartige Chance eröffneten auch die sozialen- und Bildungssziele einer Kommune zu schützen, betonte die für die GLS-Bank angereiste Martina Kürig. Die genossenschaftliche GLS Bank habe sehr früh um die Attraktivität der Regenerativen Energie gewusst, habe eigene Bewertungskriterien für Energieprojektfinanzierungen entwickelt und sieht sich heute in ihrer Strategie bestärkt. Auch die GLS-Bank geht davon aus, dass in den kommenden Jahren 3-stellige Milliardenbeträge getätigt werden und dass sich für regionale Banken das Geschäft insbesondere dann lohnen sollte, wenn es diesen gelingen sollte die Bürger mit einzubeziehen.
In ähnlicher Weise äußerte sich Peter Momper von der KEM des Landkreises Gießen. Zusätzlich betonte dieser die Möglichkeiten bzw. Notwendigkeiten zur Energieeffizienzerhöhung auf allen Seiten des Energiemanagements. Die Klimaziele als auch die den Landkreises Gießen im Ausbau des Anteils regenerativer Energien sei hoch und nur in einer konzertierten und abgestimmten Aktion möglich. Es müsste einen projektgetriebenen verbindlichen Vorgehensplan geben. Gerade die zurückhaltende Haltung in Bezug auf die Erschließung der Windenergie ließe die formulierten Ziele sehr anspruchsvoll erscheinen. Momper würdigte ausdrücklich die im Vogelbergkreis gewählte Vorgehensweise.
Volker Scherer, der Vorsitzende des Energiebeirates Hungen berichtete die dort bereits auf den Weg gebrachten Initiativen und Lösungen. In seinen Ausführungen wurde deutlich, dass es nun an der Zeit sei ein gemeinsames Projekt zu entwickeln in welchem sich neben der Kommune und der örtlichen Gewerbetreibenden insbesondere auch die Bürger beteiligen könnten. Das Thema böte Arbeit und Beschäftigung für weit über die nächsten Jahre hinaus, Hungen sollte sich weiter engagieren. Das Expertenwissen und das Engagement größerer Kreise der Bevölkerung seien vorhanden.
Hans-Jochen Henkel, Vorstand Bioenergiedorf Oberrosphe berichtete über den Weg seiner Gemeinde hin zu dem Bioenergiedorf Oberrosphe. Henkel beschrieb die Widerstände und auch Schwierigkeiten auf dem Weg ihrer Genossenschaft hin zu einem bundesweit (und darüber hinaus) beachteten Vorzeigeprojekt.
Man müsse anfangen, Widerstände und Kritik natürlich ernst nehmen und auf dessen Substanz prüfen zugleich müsse man ruhig und einem guten Plan folgend voranschreiten. Der Ausbau der Angebote der Energiegenossenschaft in Oberrosphe von einem nur Fernwämelieferanten zu einem umfassenden Energiedienstleister sei zwischenzeitlich bereits mehr als eine bloße Vision. Auch die Nachbargemeinden würden sich inzwischen auf den Weg zu mehr Unabhängigkeit und auch sozialer Lebensqualität machen.
Daniela Watzke vom Genossenschaftsverband betonte ihre Erfahrung, dass es klug ist zeitnahe tätig zu werden. Man solle nicht zulange – gar auf die letzten – warten. Vielmehr solle man in Ruhe und gut geplant vorgehen. Man müsse natürlich immer eine Machbarkeitsanalyse vor Ort betreiben auch um den richtigen Mix der regenerativen Energien und deren Erschließung festzustellen. Der Genossenschaftsverband habe für solche Situationen Projektgenossenschaften entwickelt mit deren Hilfe bürgerliche Energiegenossenschaften sicher und zielgeleitet in nur wenigen Tagen ihre Arbeit aufnehmen können.
In den Diskussionsbeiträgen, in denen sich auch eine bereits konstituierte Initiative vorstellte wurde deutlich, dass man in Hungen auf dem richtigen Weg ist und über engagierte Bürger/innen verfügt.















